Scheidung

Mehr als 30 % der in Deutschland eingegangenen Ehen werden wieder geschieden. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass jede Scheidung per Gerichtsbeschluss erfolgen muss. Das heißt für die Beteiligten, dass sie zu mindestens einem Scheidungstermin vor Gericht erscheinen müssen. Ebenfalls ist zwingend vorgeschrieben, dass mindestens ein Rechtsanwalt an dem Scheidungsverfahren beteiligt werden muss, und zwar für denjenigen Ehepartner, der die Scheidung beantragt.

 

Die von einigen Rechtsanwälten angebotene „Online-Scheidung“ darf daher nicht so verstanden werden, dass eine Scheidung ohne Scheidungsbeschluss, bei dem die Ehepartner persönlich anwesend sein müssen, möglich wäre. Allerdings kann eine Ehescheidung im gegenseitigen Einvernehmen meist zügig vollzogen werden. Denn im Vorfeld kann – wenn kein Streit zwischen den Ehepartnern über die so genannten Scheidungsfolgesachen besteht – eine Scheidung schnell und unkompliziert durch Ihren Rechtsanwalt vorbereitet werden. Soweit die Scheidung einvernehmlich und ohne Streit über Versorgungs- oder Zugewinnausgleich sowie weitere Folgesachen erfolgt, dauert der Scheidungstermin selbst oft nur einige Minuten.

 

Grundsätzliches zur Ehescheidung:
  • Die Ehescheidung muss von einem deutschen Amtsgericht – Familiengericht – beschlossen werden.
  • Für die Scheidung muss sich mindestens ein Ehepartner von einem Rechtsanwalt vertreten lassen.
  • Stehen Unterhaltsfragen, die Auflösung des gemeinsamen Hausrates oder sonstige Punkte zwischen den Eheleuten im Streit, oder soll der Versorgungsausgleich (der Ausgleich der von den Ehegatten während der Ehezeit erwirtschafteten Rentenanwartschaften) einvernehmlich ausgeschlossen werden, müssen immer beide Eheleute anwaltlich vertreten sein.

 

 

Die wichtigsten Fragen zum Ablauf und zu den Kosten eines Scheidungsverfahrens möchten wir Ihnen im Folgenden kurz beantworten:

 

Wie lange dauert es, bis ich geschieden bin?

 

Der Gesetzgeber hat in § 1565 BGB das so genannte Zerrüttungsprinzip normiert. Danach gilt eine Ehe als gescheitert, wenn die Lebensgemeinschaft der Ehegatten nicht mehr besteht, und nicht erwartet werden kann, dass diese wiederhergestellt wird. Absatz 2 der Vorschrift stellt klärend fest, dass die Zerrüttung der Ehe im Normalfall erst nach Ablauf eines Jahres seit der Trennung der Ehegatten „von Tisch und Bett“ angenommen werden kann (so genanntes Trennungsjahr). Es ist also im Regelfall so, dass die Ehe erst nach einem Jahr der – nicht notwendig räumlichen – Trennung der Ehegatten geschieden werden kann.

→ Soll eine möglichst schnelle Scheidung erreicht werden, ist es sinnvoll, bereits ca. 10 Wochen vor Ablauf des Trennungsjahres einen Scheidungsantrag beim zuständigen Familiengericht zu stellen, damit der Scheidungstermin nicht unnötig verzögert wird.

 

Was kostet mich eigentlich das Scheidungsverfahren?

 

Für das Scheidungsverfahren fallen Gerichts- und Anwaltskosten an. Die Höhe der Kosten richtet sich nach dem so genannten Gegenstands- oder Streitwert. Der Gegenstandswert wird anhand des Nettoeinkommens beider Ehegatten berechnet. Dabei wird das dreifache Nettomonatseinkommen beider Ehegatten addiert.

 

⇒ Zur Verdeutlichung ein Beispiel:

 

Hat die Ehefrau ein monatliches Einkommen von EUR 3.000,00, der Ehemann ein monatliches Einkommen von EUR 1.000,00, ist als Gegenstandswert das addierte dreifache Nettoeinkommen, also 3xEUR 3.000,00 (=EUR 9.000,00) plus 3x 1.000,00 € (= EUR 3.000,00), anzusetzen, so dass sich ein Gegenstandswert von EUR 12.000,00 ergibt. Hieraus würden sich folgende Kosten ergeben: Gerichtskosten: EUR 534,00, Anwaltskosten für die gerichtliche Vertretung: EUR (1.315,00 zzgl. USt. und Auslagenpauschale). Die Gerichtskosten werden zwischen den Ehegatten geteilt. Jeder Ehegatte trägt die Kosten des eigenen Rechtsanwalts.

 

Müssen beide Eheleute anwaltlich vertreten sein?

 

Eine anwaltliche Vertretung beider Ehegatten ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Es muss lediglich derjenige Ehegatte anwaltlich vertreten sein, der den Scheidungsantrag stellt. Wird die Scheidung einvernehmlich und ohne den Ausschluss des Versorgungsausgleichs oder das Stellen anderer Anträge durchgeführt, kann der Ehegatte, der nicht den Scheidungsantrag gestellt hat, auf anwaltliche Vertretung verzichten.

→ Die Ehegatten können in diesem Fall die Anwaltskosten intern unter sich aufteilen, so dass die Scheidung kostengünstiger wird. Ob in Ihrem Fall eine Scheidung mit nur einem Rechtsanwalt sinnvoll ist, erläutern wir Ihnen gerne persönlich.

 

Werden im Scheidungsverfahren auch Unterhaltsansprüche geklärt?

 

Im Rahmen des Scheidungstermins wird zwingend lediglich der Versorgungsausgleich geklärt, also der Ausgleich der Rentenanwartschaften der Ehegatten. Selbst dieser kann allerdings im gegenseitigen Einvernehmen ausgeschlossen werden, wenn dies beide Ehegatten wünschen (aber nur, wenn beide Ehegatten anwaltlich vertreten sind).

 

⇒ Bitte beachten Sie: Sonstige Unterhaltsansprüche wie nachehelicher Unterhalt, oder weitere familienrechtliche Ansprüche, etwa auf Zugewinnausgleich, werden nur auf Antrag eines Ehegatten als so genannte „Scheidungsfolgesachen“ mitverhandelt.

 

Wie lange dauert es, bis die Scheidung rechtskräftig ist?

 

Die Rechtskraft der Scheidung entsteht noch nicht direkt mit dem Erlass des Scheidungsbeschlusses. Die Scheidung wird erst rechtskräftig, wenn der Scheidungsbeschluss zugestellt und die Rechtsmittelfrist (Beschwerdefrist) von einem Monat ab Zustellung des Scheidungsbeschlusses abgelaufen ist, ohne dass einer der Ehegatten Beschwerde eingelegt hat.

→  Falls beide Ehegatten anwaltlich vertreten sind, kann der Eintritt der Rechtskraft der Ehescheidung allerdings dadurch beschleunigt werden, dass beide Rechtsanwälte nach Verkündung des Scheidungsbeschlusses im Scheidungstermin einen so genannten Rechtsmittelverzicht gegen den Scheidungsausspruch erklären. Durch diesen Rechtsmittelverzicht kann die Scheidung bereits im Termin rechtskräftig werden.